Werkbund Werkstatt Nürnberg

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Geschichte & Entwicklung der Werkbund Werkstatt Nürnberg – Ein Bildungskonzept das Schule macht!

Was vor mehr als 30 Jahren auf Initiative des Deutschen Werkbund Bayern in Nürnberg engagiert und mit viel Enthusiasmus ins Leben gerufen wurde, steht heute, inzwischen selbständig, als eine deutschlandweit einmalige Institution in der sogenannten Kultur- oder Bildungslandschaft: Die Werkbund Werkstatt Nürnberg. Die Existenz verdankt sie dem fördernden Zusammenwirken mehrerer Persönlichkeiten und Institutionen sowie günstigen Umständen und viel gutem Willen. So war 1986 bei Gründung der WWN der Nürnberger Kulturreferent Dr. Hermann Glaser zugleich Vorsitzender des Deutschen Werkbundes auf Bundesebene und Hanns Herpich, Professor an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, Vorsitzender des Bayerischen Werkbundes.

Der Stadt Nürnberg verdankt die WWN durch Bereitstellung kostenloser Räume in zentraler Lage und jährlichem Betriebsmittelzuschuss einen sicheren Arbeitsrahmen. 1988 erhielt sie ein Förderstipendium der Stadt. Die wohl-wollende Aufmerksamkeit der Vertreter des Stadtrats und der Verwaltung sichern die Existenz der WWN und ermutigen die hier Tätigen.

Die ersten Jahre waren mühsam. 1986 wurde der Unterricht der WWN im „KOMM“ mit 11 Studierenden, bei täglichem Wechsel der Materialbereiche Glas, Holz, Metall, Textil und Gestaltung aufgenommen. Eine ABM-Stelle der Stadt, anteilig über das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ) eingerichtet, war hilfreich. Mit jährlichen Ausstellungen und Beteiligung an vier Symposien des DWB zum Thema Werkstatt wurde die WWN auch außerhalb Nürnbergs bekannt (München, Frankfurt a. M.). Vorträge hielten u.a. Adelheid Gräfin Schönborn (Präsidentin des DWB, München), Rudolf zur Lippe (Universität Oldenburg) und Eva Eyquem (Sorbonne, Paris).

1993 übernahm übergangsweise der Deutsche Werkbund Bayern e.V. als Träger die Kosten für die Stelle der Geschäftsführung, bis von der Stadt Nürnberg eine eigene Haushaltsstelle geschaffen wurde. Die Künstlerin Gudrun Witsch als Geschäftsführerin trieb mit Unterstützung von Honorarkräften und Ehrenamtlichen die weitere Konsolidierung mit neuem Konzept voran.

1996 Zum 10-jährigen Bestehen der WWN, gab es die Festveranstaltung Eigenhändig in der Norishalle Nürnberg, bestehend aus einer Werkstattpräsentation und der Ausstellung Welche Dinge braucht der Mensch? (Übernahme vom Deutschen Werkbund Hessen), begleitend dazu eine Vortragsreihe mit den Referenten: Michael Brater (Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung, München) Professor Dr. Gert Selle (Designtheoretiker und Kunstpädagoge, Universität Oldenburg). Reinhard Karl (freier Kultur- und Wirtschaftsjournalist, Hamburg) moderierte zum Abschluss die Podiumsdiskussion mit dem Thema Kultur - Bildung - Arbeit in einer Umbruch- und Krisensituation. Neue Bildungs- und Ausbildungswege. Zukunftsperspektiven. Einführung der Theaterwerkstatt.

1996, nach 10 Jahren entließ der Werkbund Bayern die WWN in die Selbstständigkeit. Sie wurde von dem dazu gegründeten Trägerverein Werkbund Werkstatt Nürnberg e.V. übernommen. Diese Rechtsfigur wurde 2002 aus pragmatischen Gründen zugunsten einer gGmbH geändert.

Zum 15-jährigen Bestehen der Werkstatt (2001) wurde ein Vortrag von Dr. Udo Thiedeke mit dem Thema Die Notwendigkeit künstlerisch-ästhetischer Bildung in der Informationsgesellschaft gehalten; im Anschluss: Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Hermann Glaser, eine Ausstellung und – wie in allen Jahren – ein Sommerfest im Garten des Künstlerhauses (K4).

Von Mitte November 2004 bis Anfang Januar 2005 wurden die Arbeit des laufenden Werkstattjahres 04/05, in den Schaufenstern eines leer stehenden Geschäftsgebäudes, in der Nürnberger Innenstadt gezeigt.

Zum 20-jährigen Bestehen präsentierte die WWN 2007 im Deutschherrnkarree die wohl umfassendste Schau von Arbeiten der Schüler und – ein Novum – Werke der Dozenten in einer gemeinsamen Ausstellung. Zu diesem Anlass entstand ein 30-minütiger Dokumentarfilm über die Arbeit der WWN. Dieser Film wurde gefördert durch Soroptimist International Club Nürnberg. Als Neuerung führte die WWN, ab September des gleichen Jahres, das Werkstattsemester als zusätzliches Angebot für ältere Teilnehmer neben dem Werkstattjahr ein.

Anlässlich des ebenfalls 20-jährigen Jubiläums unseres Förderers dem – Soroptimist International Club Nürnberg – präsentierten die Schüler der WWN in dem selben Jahr Körperhüllen aus Papier und Vlies sowie Kopfbedeckungen, die in der Textilwerkstatt entstanden sind auf dem Klarissenplatz in Nürnberg.

Seit 2010 finden die Jahresausstellungen in Kooperation mit dem Kunstverein Galerie Kohlenhof e.V. statt. Als erweitertes Informationsangebot wird ab dem Jahre 2011 zweimal im Jahr den Tag der Offenen Tür – Orientierung durch Gestaltung.

Gudrun Witsch, die als Geschäftsführerin über 20 Jahre maßgeblich den Inhalt und das Konzept der WWN prägte, verstarb im April 2011. Ihre Nachfolge als Geschäftsführer und Schulleiter trat 2010 Norbert Zlöbl an, der zuvor schon mehrere Jahre als Dozent für Holzgestaltung der WWN verbunden war. Assistent wurde ebenfalls in diesem Jahr Harald Jantschke, zuständig insbesondere für die Öffentlichkeitsarbeit.

Die Schüler/innen der Textilklasse in der WWN präsentieren eine Auswahl ihrer Arbeiten im Rahmen des Textilfestes vom 01. bis 10. Juli 2011 in Dachsbach.

Aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge aus G8- und G9- Absolventen startete die WWN ein ausserregulären Werkstattjahres vom Frühjahr 2011 bis Frühjahr 2012. Die Absolventen dieses ausserregulären Werkstattjahres zeigen die Resultate ihrer gestalterischen und handwerklichen Arbeiten im Rahmen ihrer Abschlussausstellung im Künstlerhaus.

Die Metallklasse der WWN stellt 2012 unter anderem mit den Künstler/innen Susanne Heindl, Christel Hubatsch, Burkhard Schürmann und vielen Anderen bei der Ausstellung Metall 2012 in Dachsbach aus.

2014 ist die WWN zu Gast in der Kunstvilla im Rahmen des Eröffnungswochenendes mit einem offenen Textilworkshop Struktur in Fläche und Form in der Kunstvilla des KunstKulturQuartiers. Dozent/innen und Schüler/innen der Textilwerkstatt führen in die Technik und Gestaltung ein.

Die Vortragsveranstaltung der WWN HYPERAKTIV! - KRITIK DER AUFMERKSAMKEITSDEFIZITKULTUR am 04. Juli 2014 von Prof. Dr. Christoph Türcke in der NÜRNBERGER Akademie referiert.

Die Ausstellung ... uuund Action! Körper und Objekte in Bewegung" vom 02. Mai bis 15. September 2014 im Hands-on-Museum turmdersinne, zeigt Exponate der WWN sowie aus der Wissenschaft und Kunst, die sich mit scheinbaren, unmöglichen und illusorischen Bewegungen von Körpern und Objekten auseinandersetzen.

Zum Prozesscharakter der gestalterischen Basisausbildung in den Werkstätten der WWN enstand 2015 die Sonderausstellung mit dem Titel ANEIGNUNG ALS ÄSTHETISCHE KATEGORIE, welche in den Offenen Büros des Stadtplanungsamtes der Stadt Nürnberg gezeigt wurde. Die einzelnen Schritte des Gestaltungsprozesses – von der Idee und den ersten Skizzen über den Entwurf und das Modell bis zur Umsetzung in ein Werkstück – werden anhand von ausgewählten Exemplaren und erläuternden Texten nachvollziehbar dargestellt.

30 Jahre WWN sind ein Grund zum Feiern. Anlässlich dieses Jubiläums wird um denjenigen die Reverenz zu erweisen, die an der Realisierung und am Fortbestehen der Werkbund Werkstatt Nürnberg beteiligt waren oder es noch sind 2017 die Publikation Festschrift zum 30. Jubiläum der Werkbund Werkstatt Nürnberg e.V. gewidmet.

Im gleichen Jahr fand in Kooperation zwischen der Werkbund Werkstatt Nürnberg e.V. und dem Deutschen Werkbund Bayern e.V. Der Deutsche Werkbundtag 2017 vom 14. bis zum 16. Juli 2017 in Nürnberg im Haus des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat statt. Die hier entstandene Pop-up-Universität zur Zukunft von Arbeit und Bildung war für das öffentliche Publikum mit verschiedene Aktivitäten und Workshops auf dem Lorenzer Platz für die Öffentlichkeit zugänglich.

Darauf folgend wurde die Vortragsveranstaltung >FUNKTIONALISMUS HEUTE – ADORNO REVISITED< mit dem Referent Prof. Dr. Friedhelm Kröll der WWN abgehalten.

Seit September 2018 befindet sich die WWN in den Räumlichkeiten der Peuntgasse 5 als Interimsnutzung in der Nähe des Künstlerhauses. Diese Räume werden voraussichtlich bis zur Fertigstellung des III. Bauabschnittes im Künstlerhaus 2022 genutzt.

Eine Vortragsreihe der Werkbund Werkstatt Nürnberg findet 2019 im Rahmen des Bauhaus-Gründungsjubiläums statt. Die Werkbund Werkstatt Nürnberg e.V. (WWN) beteiligt sich mit einer eigenen Vortragsreihe 5 Orte 5 Themen 5 Vorträge zu fünf gesellschaftsrelevanten Themen an den Festlichkeiten zum hundertjährigen Gründungsjubiläum des Bauhauses (Weimar). In Kooperation mit fünf bedeutenden Kultureinrichtungen in Nürnberg leistete die WWN mit Vorträgen und Diskussionen über die Wirkungsgeschichte des Bauhaus-Konzeptes einen eigenen Beitrag. Die WWN knüpfte mit ihrem besonderen Bildungskonzept, den Angeboten des Werkstattjahres für junge Erwachsene und des Werkstattsemesters für Ältere, an einige wichtige Punkte der Bauhaus-Lehre und -Pädagogik an. Ausgehend von eigenen Erfahrungen möchten die WWN die Aktualität der Bauhaus-Idee für unsere heutigen gesellschaftlichen und bildungspolitischen Fragen deutlich machen und ihr erneut Geltung verschaffen.

I) Bauhauslektüren – Eine Collage aus Künstlerbriefen
mit Adeline Schebesch / Staatstheater Nürnberg und
Prof. Dr. Friedhelm Kröll Ort: Neues Museum Nürnberg – Auditorium

II) Oskar Schlemmers Triadisches Ballett im historischen Kontext. Von der Bauhaus-Bühne zum Judson Dance Theatre
Vortrag von Dr. Irene Lehmann (Theaterwissenschaftlerin, Berlin – Erlangen) Ort: Filmhaus im KunstKulturQuartier – Kommkino

III) Eva Eyquem – Vermittlerin der Bauhaus-Pädagogik in Nürnberg“
Vortrag von Dr. Sabine Richter, Künstlerin und Kunstpädagogin
am Lehrstuhl für Kunstpädagogik der FAU Ort: Kunstvilla im KunstKulturQuartier

IV) 100 Jahre Bauhaus – 100 Jahre Bauen gegen die Wohnungsnot
Vortrag von Dr. phil. Andrej Holm, Sozialwissenschaftler
mit den Themenschwerpunkten Stadterneuerung, Gentrifizierung
und Wohnungspolitik an der HU Berlin Ort: Quellkollektiv e.V.

V) Die Werkbund Werkstatt Nürnberg Von der Idee zur Verwirklichung – innovative Praxis mit einem Bildungskonzept, das Schule macht!
Vortrag von Georg Graf von Matuschka, Kulturmanager in der Europäischen Metropolregion Nürnberg) mit anschließender Diskussion
Ort: Künstlerhaus im KunstKulturQuartier

Im Juli 2019 wurde Alissa Sammet M.A. als Assistentin der Geschäftsführung eingestellt sowie auch im September Dr. Sabine Richter zur 1.Vorstandsvorsitzenden des WWN e.V. und Peter Neudert  zum 2. Vorstandsvorsitzenden des WWN e.V. gewählt.

Für das Werkstattjahr 2019/20 wird das vorher übliche Schein- und Notensystem nicht mehr zum Leistungsnachweis für die Schüler verwendet. Gestärkt wird die individuelle Reflexion der eigenen Arbeiten durch Präsentation, Gespräche, Diskussion und Feedback.

Horst Henschel wird Anfang des Jahres 2020 zum Ehrenvorsitzenden der WWN ernannt.

Ab März 2020 werden großformatige Fotografien im Zuge der The Zaun Gallery des KunstKulturQuartiers am Bauzaun der Königstormauer präsentiert. Der Mittelpunkt der Fotografien ist die Verbindung von Werk und Hand, welche repräsentativ für das handgemachte Werk steht.

Aufgrund der Corona-Pandemie 2020, findet der Unterricht der WWN ab mitte März für mehrere Monate für Schüler, Dozenten und Mitarbeiter erfolgreich digital in der Heimarbeit statt.

Im Februar 2021 versarb der langjärige Vorstandsvorsitzende und Ehrenvorsitzende des Werkbund Werkstatt Nürnbere e.V. Horst Henschel.